Samstag, 16. Oktober 2010

Kommentar zu „Bundesrat will Inzestverbot aufheben“

10vor10 vom 15.10.2010

Gestern kam im 10 vor 10 ein Bericht darüber, dass der Bundesrat das Inzestverbot zwischen Erwachsenen aufheben möchte. Darüber kann ja jeder denken, wie er will und ich möchte mich zu dieser Frage an sich auch gar nicht äussern.

Was mich sehr gestört hat, war das Hauptargument des tendenziösen Berichtes gegen die Legalisierung von Inzest. Genetikerin Anita Rauch liess uns nämlich wissen, dass die Wahrscheinlichkeit von Erbkrankheiten, wie beispielsweise „Blindheit, Taubheit, Bluthochdruck oder einer schweren Behinderung“ bei Inzest-Kindern 30% betrage. „Inzest-Kinder können schon in der Frühentwicklung geschädigt sein. Dass der Bundesrat den Inzest trotzdem legalisieren will, sorgt unter Bundespolitikern für Kopfschütteln.“, fügte der Sprecher an.

- Hallo??? Ich hör wohl nicht richtig! Die Tatsache, dass ein Kind mit 30%iger Wahrscheinlichkeit behindert sein wird, ist also ein Grund, einvernehmlichen Sex zwischen Erwachsenen zu verbieten? Wenn ein Mensch, der aus genetischen Gründen eine Behinderung hat (so wie ich), Kinder in die Welt setzt, beträgt die Chance, dass er seine Behinderung vererbt in der Regel sogar 50%. Soll man mir nun deswegen unter Androhung von drei Jahren Gefängnis verbieten, Sex zu haben? Bzw. wäre es eine Tragödie, wenn meine Kinder dann auch das Marfan-Syndrom hätten? Wären sie deswegen minderwertig? Da fühlt man sich doch gleich ins frühe 20. Jahrhundert zurückversetzt:

„Die Geisteskranken, die moralisch Irren und andere Minderwertige haben so wenig ein Recht Kinder zu zeugen, als sie ein Recht haben Brand zu stiften.“

Zitat aus „Gesetzliche Unfruchtbarmachung Geisteskranker“ von Joseph Mayer, erschienen 1927

Dass in manchen Wissenschaftszweigen, wie der Psychologie, der Medizin oder eben auch der Genetik die Ideen der Rassenhygiene immer noch einen festen Bestandteil bilden, ist ja hinreichend bekannt. Dass aber das Schweizer Fernsehen diesem faschistischen Dreck mit unseren Gebührengeldern eine Plattform zur Verfügung stellt, ist eine unglaubliche Sauerei!

Kommentare:

  1. Von miraus können sie so viele Kinder zeugen wie sie wollen. Aber ich habe keine Lust, für Threapien usw aufzukommen.

    Die Gesellschaft muss jeden stützen, der unverschuldet in Not gerät aber auch diejenigen strafen, die ihr mutwillig Schaden zufügen.

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  2. @Anonym: Fast jeder ist irgendwie genetisch vorbelastet. Wenn man so argumentiert, darf am Ende keiner mehr Kinder bekommen und die Menschheit stirbt aus.

    Hatte Ihr Vater/Ihre Mutter hohen Blutdruck? oder vielleicht ein Höhrproblem? Wenn ja, war es ein Verbrechen, dass er/sie Sie in die Welt gesetzt hat und ich bin nicht bereit, für Ihre Medikamente, Ihr Hörgerät, was auch immer, aufzukommen.

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  3. Ich bin da in der Tat recht fein raus und genetisch kaum vorbelastet.

    Der Punkt ist aber folgender: Welches Risiko darf man seinen Kindern und Mitmenschen zumuten um seine eigenen Wünsche zu erfüllen.

    Paare die Kinder zeugen obwohl eine erheblich erhöhtes Risiko auf massive Behinderungen besteht, sollte zumindest an den Kosten beteiligt werden.
    Konkrete Grenzwerte zu bestimmen ist an dieser Stelle wohl zuviel verlangt. Es geht mir nur darum, dass die Menschen mehr Verantwrtung für ihr Handeln übernehmen müssen.

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  4. "Kaum" vorbelastet? - Natürlich, Sie selber wären selbstverständlich noch nicht genug vorbelastet, Ihre genetisch bedingten Schwächen sollen selbstverständlich von den Versicherungen (und damit den Prämienzahlern) abgedeckt werden. Sie wollen andere Leute für deren Behinderungen bestrafen und ausgrenzen, aber sich selber meinen Sie damit selbstverständlich nicht. Ich höre solche Theorien ja nicht zum ersten Mal. Erstaunlicherweise beziehen sich diese Leute aber immer nur auf Andere. Sie selber sind ihrer Meinung nach immer "rein" genug für das Recht auf Leben.

    - Das Dumme daran ist nur, dass, wenn der Staat tatsächlich mal zwischen wertem und unwertem Leben unterscheiden sollte, es nicht Sie sein werden, der über Sie richtet, sondern irgend ein Beamter, der über Ihre Schwächen vielleicht weniger grosszügig hinwegsieht, als Sie selber. Und wer weiss, vielleicht reicht es dem Staat ja nicht Sie an den genetisch bedingten Gesundheitskosten zu beteiligen. Vielleicht bevorzugt man dann ja eine andere Lösung: http://www.youtube.com/watch?v=qXJN82Ra1ms

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  5. @ David Siems
    ich weis nicht genau um was es ihnen geht, es tut mir wircklich sehr leid für sie das sie in ihrem Leben mit einer Behinderung klar kommen müssen. Aber um das geht es bei dieser Depate nicht. Es geht darum das wenn sich engere Verwante paaren, es wahrscheinlich dazu führen kann das ein schwer behindertes Kind auf die Welt kommt. Und ich möchte das wirklich keinem Kind zumuten! Es geht nicht darum das behinderte Menschen weniger Wert seien, oder das man für behninderte Menschen zu viel zahlen muss. Es geht darum das so wenig Menschen wie möglich eine solche Last tragen müssen.

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  6. @Anonym: Zunächst einmal: Unterlassen Sie doch bitteschön Ihre Mitleidsbekundungen - nicht nur mir oder anderen behinderten Menschen, sondern allen Menschen gegenüber. Sie haben mich noch nie getroffen, haben keine Ahnung, ob und wie ich eingeschränkt bin. Auch wenn Sie es gut meinen: Ihr (völlig unangebrachtes) Mitleid ist eine Form von Verachtung. Immerhin geben Sie mir zu verstehen, dass es besser gewesen wäre, wenn ich gar nicht auf die Welt gekommen wäre. - Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen einer so kommen würde? Sie haben kein Recht darüber zu urteilen, wessen Leben lebenswert ist. Und zur eigentlichen Sache kann ich Ihnen nur sagen, dass es bei der ganzen Geschichte eben sehr wohl um Kosten geht. Ich empfehle Ihnen wärmstens, sich mal das Statement von Nationalrat Alfred Heer zum Thema anzuhören:

    http://cripplepride.blogspot.com/2010/12/nationalrat-ah-behinderte-kinder-fallen.html

    - In seinem Statement ist NICHTS vom Kindeswohl zu hören. Ihm geht es um Kosten. Er argumentiert genauso, wie es die Nationalsozialisten getan haben, bevor sie 350'000 Behinderte ermordet haben.

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